Berichte aus vergangen Jahren

Wenn einfach alles passt: Ein Rückblick auf meine WM -03.10.19-

 

Es ist nun etwas mehr als eine Woche her, seit sich vieles in meinem Leben auf einen Schlag geändert hat. Mit der Olympiaqualifikation und der ersten Schweizer WM-Medaille im Freistil in der Geschichte, konnte ich ernten, wofür ich jahrelang gearbeitet habe. Viele Monate habe ich auf so einiges verzichtet, in unterschiedlichsten Ländern mit den besten Gegnern trainiert und alles auf diesen einen Moment ausgerichtet. Die Wochen vor der WM waren dann nochmal eine zusätzliche Herausforderung. Der Druck, den ich mir selber machte, aber auch die Erwartungen von aussen, waren immens. Sicher haben es viele nicht einmal gemerkt, aber die mentale Belastung hat sehr an mir genagt. Es hat eine Menge Energie gekostet, dies auszuhalten und ich bin dankbar, dass ich mich in dieser Zeit auf das ganze Team um mich verlassen konnte. Auch wenn ich letztlich alleine auf der Matte stehe, konnte ich in den letzten Jahren eine fein abgestimmte Maschinerie um mich aufbauen. Zu jeder Zeit kann ich mich auf die einzelnen Zahnräder verlassen. Alles greift ineinander und macht es möglich, dass ich mich auf meine Mission konzentrieren kann. Mein Betreuerteam, mein Club, der Verband, die Sponsoren, meine Familie und Freunde - sie alle tragen dazu bei, dass ich machen kann, was ich liebe.

 

Mit der Knieoperation am Anfang des Jahres sowie den nicht ganz wunschgemässen Resultaten an EM und European Games, war es zwar nicht gerade eine Bilderbuchsaison. Trotzdem war er da. Dieser Druck. Vielleicht war er sogar grösser, als ich es selber wahrgenommen habe. Dieses Mal sollte es klappen! Bereits einen Monat vor der WM zog ich mich aus den sozialen Medien zurück, viel Zeit verbrachte ich in der Abgeschiedenheit der Berge, dann reisten wir früh zur Akklimatisation nach Kasachstan und gaben allem nochmal eine Extraportion Schub.

 

Als es dann endlich gegen den Litauer losging, war ich bereit! Ein ungefährdeter Sieg zum Start und ich kam „ins Rollen“. Ich konnte danach Revanche nehmen an Kalashnikov (gegen den Israeli verlor ich mit 9:9 im Frühling an der EM) und hatte dann im Viertelfinal den ganz grossen Preis vor Augen. „Nur“ noch den Spanier Friev schlagen, dann war es vollbracht. Das Ticket für Tokio wäre Tatsache...

 

Und es gelang! Mit dem Sieg stand ich im Halbfinal, Platz 5 und damit die Olympiaqualifikation war erreicht. Eine tonnenschwere Last fiel von meinen Schultern. Die Freude, der Druck, das Leiden der letzten Jahre – alles musste raus. Und leider ging mit diesem emotionalen Moment auch etwas der Fokus verloren. Es gelang mir in der kurzen Zeit bis zum Halbfinal nicht, mich wieder so weit zu fassen, dass ich dem Inder im Kampf um den Finaleinzug wirklich Paroli bieten konnte. Auch die 24 Stunden bis zum kleinen Final waren unglaublich schlimm. Der Fokus war einfach weg! Erst kurz bevor es zählte, war ich endlich wieder im Tunnel. Ich wusste wieder, was ich zu tun hatte und konnte dies auch umsetzen. Mit dem 3:0-Sieg gegen den Kolumbianer erkämpfte ich mir endlich den Platz auf dem Podest. Ich war in der Weltelite angekommen.

 

Erst in den Stunden danach realisierte ich, wie schwer dies alles auf mir wog. Mich überkam eine schon fast erschreckende emotionale Leere und wirklich zu freuen begann ich mich erst, als ich mitten in der Nacht im Flugzeug – alle um mich schliefen – weinend alle Teile zusammensetzen konnte. In Zürich gelandet, empfangen von dutzenden jubelnder Menschen, konnte ich am Montag endlich meine Familie und Freunde in die Arme schliessen. Jetzt war feiern angesagt! Am Abend machten hunderte Freunde und Fans die Nacht zum Tag und zeigten mir eindrücklich, wie sehr auch sie alle sich für mich freuten. Nach einer Woche unter der Sonne Ibizas wurde ich vergangenen Sonntag dann auch noch zu Hause in Grosswangen offiziell empfangen. Ein weiteres rauschendes Fest mit wortwörtlich dem halben Dorf!

 

Schon einige Male war ich nah dran (zugegeben, verschiedentlich auch nicht ganz so nah) und doch hat es schlicht nicht ganz gereicht. Dieses Mal war einfach alles anders. Ich bin unendlich dankbar und glücklich. Ein grosses sportliches Ziel ist erreicht und so viele freuen sich mit mir! Doch dabei soll es nicht bleiben! Die Olympischen Spiele sind erst Ende nächsten Sommer. Eine lange Zeit, wie man meinen könnte. Doch die Monate dahin vergehen schnell. Zusammen mit meinem Team werde ich versuchen, nun den perfekten Plan auszuhecken, damit ich in Tokio auf dem absoluten Maximum bin. Im Kampf um die Olympiamedaillen will ich ein gewichtiges Wörtchen mitreden!

 

Wie ich eingangs bereits sagte: Vieles hat sich geändert. Freilich aber nicht alles! Weiter mit Freude und Konsequenz arbeiten, akribisch die Ziele Verfolgen und immer kritisch hinterfragen, ob ich wirklich überall das maximale Potenzial ausschöpfe. So werde ich nun weiter machen. Die Mannschaftsmeisterschaft läuft und gemeinsam mit den Lions jage ich Titel Nummer 14. Mit den World Military Games in Wuhan (CHN) steh ausserdem auch noch ein internationaler Grossanlass auf dem Programm. Es bleibt dieses Jahr also noch viel für mich zu tun!

 


[Red]Tokio wir kommen, Teil 2 -22.09.19-

 

Schon gestern waren wir alle in Feierlaune, heute hat Stifi nochmals einen drauf gesetzt! Mit einem souveränen 3:0 Sieg gegen Carlos Arturo Izquierdo Mendez (COL) holte er sich zur Krönung auch noch noch die Bronzemedaille. Und diese ist historischer Natur! Noch nie konnte ein Schweizer Freistilringer ein WM Podest erklimmen. Wahnsinn!

 

Ein grosser Dank gilt allen, die an diesem Erfolg mitgearbeitet haben. Nicht nur Nationaltrainer Nicolae Ghita und der ganze Verband haben grosses geleistet, auch die RCW Lions, die Sponsoren und ganz besonders auch das Umfeld neben der Matte, mit Familie und Freunden, kann sich zurecht an diesem Exploit mitfreuen. Wenn Stifi gesund bleibt, wird's ganz bestimmt nicht der letzte sein!


[Red]Tokio wir kommen -21.09.19-

 

Was für ein Tag! Nachdem Stifi gestern Geburtstag feiern konnte, machte er sich heute gleich das wohl grösste Geschenk!

 

Mit Siegen gegen Voitechovskis (LTU), Kalashnikov (ISR) und Friev (ESP) und dem damit verbundenen Halbfinaleinzug ist klar, dass Stifi sich das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio gesichert hat. Zwar zog er im Halbfinal gegen Punia (IND) mit 2:8 den Kürzeren, doch morgen kann er sich im Kampf um Bronze nochmal beweisen. to be continued...


Rückblick und Vorschau -06.01.19-

 

Das Jahr 2019 ist nun schon einige Tage alt und bereits ist es für mich mit dem ersten Trainingslager in Tenero wieder richtig los gegangen. Es war aber sehr wichtig für mich, über Weihnachten/Neujahr eine echte Pause zu machen und mich auf anderes zu konzentrieren.

 

2018 war lang und intensiv. Rund 200 Tage war ich unterwegs, habe - hauptsächlich in Osteuropa - mit vielen starken Gegnern trainiert und viele Turniere bestritten. Immer mehr zeigt sich, wie nahe ich der Weltspitze bereits gekommen bin. An WM und EM musste ich mich jeweils erst dem Bronze-Mann geschlagen geben und an Militär WM hat es dann ENDLICH für das erste Edelmetall gereicht. Die bronzene Auszeichnung ist darum gleichzeitig ein erster Lohn für meine Arbeit, aber auch ein grosser Ansporn. Mehr soll folgen! Natürlich ist auch die Mannschaftsmeisterschaft mit den RCW Lions für mich jedes Jahr ein grosser Höhepunkt. Von Januar bis September bin ich hauptsächlich als Einzelkämpfer unterwegs. Zwar reise ich meist mit Nati-Trainer und-Kollegen und doch ist der Teamspirit wie wir ihn bei den Löwen haben, durch nichts zu ersetzen. Gemeinsam auf ein Ziel hin arbeiten, einander pushen, nach Tiefschlägen wieder aufrichten und zusammen Erfolge feiern - wie wir das in Wilisau, gerade auch zusammen mit den treuen Fans, (er-)leben ist einzigartig. Leider blieb uns auch dieses Jahr die ultimative Feier versagt und wir mussten uns in einem schon fast epischen Final der Mannschaft aus Kriessern geschlagen geben. Trotzdem glänzt die Silbermedaille wunderschön. Kommendes Jahr geht es nun darum, diese zu vergolden!

 

Bevor es aber soweit ist, habe ich  eine wegweisende internationale Saison vor mir. Noch sind nicht ganz alle Turniere fixiert. Sicher sind aber die Teilnahmen an der EM in Bukarest, den European Games in Minsk und der WM in Astana. Gerade letztere geniesst dieses Jahr eine noch grössere Priorität. In Hinblick auf Tokio 2020 werden nämlich bereits die ersten Startplätze vergeben. Und einen davon will ich mir schnappen!


Militär Weltmeisterschaft, Moskau RUS -17.05.18-

 

 

 

YESSSSSSS! Endlich ist die Medaille da! Nach einem 10:0-Auftaktsieg gegen Nicolaos Varkas (GRE), verlor ich den Halbfinal gegen Kanan Aliyev (AZE) unglücklich knapp mit 2:3. Dann hiess es aber: Jetzt erst recht! Im Kampf um Bronze konnte ich an den ersten Kampf anknüpfen und siegte in etwas über einer Minute mit 10:0 gegen den Pakistani Adil Irshad.

 

Die Medaille an einen internationalen Grossanlass gibt richtig Mumm! Bevor ich die Vorbereitungen auf den nächsten Saisonhöhepunkt (Elite WM in Budapest im Oktober) in Angriff nehme, ist jetzt erst einmal etwas Erholung angesagt.

 


EM Kaspijsk, RUS -05.05.18-

 

 

Ein Tag mit Licht und Schatten. So lässt sich die diesjährige Elite-EM zusammenfassen. Im Achtelfinal gegen Denis Balaur aus Moldawien konnte ich zeigen, dass ich weitere Fortschritte gemachte habe. Noch vor einem Jahr schied ich gegen genau diesen Gegner an der EM diskussionslos mit 0:4 aus. Dieses Jahr gelang es mir, nach anfänglichem Abtasten und einem 0:1 zur Pause, in der zweiten Hälfte nochmals Gas zu geben. Mit einer 2er- und einer 1er-Wertung drehte ich den Kampf und war so mit 3:1 im Viertelfinal.

 

Leider stand ich ich dort aber auf verlorenem Posten. Sandro Aminashvili aus Georgien(Olympiateilnehmer, 3. bei WM 2015 und European Games 2015) liess sich einfach keine Punkte abjagen. Zwar probierte ich, ihn immer wieder gezielt unter Druck zu setzen, doch er war stets bereit, meine Versuche zu parieren. Im Gegenzug konnte er in den entschiedenen Aktionen aber durchziehen und kam so zu einem Sieg mit 4:0 technischen Punkten.

 

Wieder hat es also nicht nach ganz vorne gereicht. An der absoluten Spitze hängen die Trauben einfach extrem hoch.  Aber ich sehe, dass der Abstand nochmals kleiner geworden ist. Nun muss ich die Kämpfe analysieren, mich erholen und dann schon bald wieder in den Wettkampfmodus schalten. In zwei Wochen ist bereits die Militär-WM.


U23 WM Bydgoszcz, POL -26.11.17-

 

Mit grossen Hoffnungen und begleitet von einer riesigen Fan-Schar (DANKE!!!!) aus der Heimat, reiste ich an die erstmalig stattfindenden Weltmeisterschaften der unter 23-jährigen. Da dies meine letzte Gelegenheit war in dieser Kategorie anzutreten, wollte ich diesmal wirklich etwas reissen!

 

Und gleich nach der Auslosung war dann auch klar, dass es richtig schwierig wird. Mein Startgegner war mit Bendeguez Toth (HUN) ein alter Bekannter. An der diesjährigen U23-EM verlor ich gegen diesen deutlich mit 0:9 (er holte sich letztendlich Silber). Bei der Neuauflage wollte ich nicht nur besser aussehen, sondern diese Scharte auswetzen. Und dies gelang! Mit einem 6:3-Sieg zog ich in die nächste Runde ein.

 

Leider war dort bereits Endstation. Irakli Mtsituri aus Georgien war mit 2:3 nur hauchdünn besser. Trotzdem zog er in den Viertelfinal ein, verlor diesen, aber holte sich via Repechage doch noch Bronze.

 

Einmal mehr war's für mich ganz knapp. Nur wenig fehlte zum grossen Wurf. Aber "knapp" zählt auf diesem Niveau nicht! Dass praktisch zeitgleich meine Kameraden von den RCW-Lions gegen die RS Freiamt den Finaleinzug sicher stellten, ist aber ein Trost für mich. Nun werde ich nochmals den letzten Rest Energie aus mir rauspressen und versuchen in den Duellen gegen Kriessern den Titel in der Mannschaftsmeisterschaft zu holen. Und danach stehen nach dieser langen, intensiven Saison einige freie Tage ganz oben auf meinem Programm.


Trainingslager Tiflis, GEO -14.07.17-

 

Gleich nach dem GP von Baden-Württemberg mit dem nur halb zufrieden stellenden 3. Rang, reiste ich mit meinem Nationalteam-Kameraden Marc Dietsche ins Trainingslager nach Georgien, genauer gesagt in die Hauptstadt Tiflis. Wir leben hier in einer grossen 3 ½ Zimmer Wohnung. Die Bedingungen sind wirklich sehr gut. Die Frau eines ehemaligen Spitzenringers kocht, putz und wäscht für uns und wir haben einen Dolmetscher der uns herumfährt und uns jederzeit sein Auto zur Verfügung stellt. Allgemein ist die Gastfreundschaft der Georgier ist auffallend, so dass wir uns sehr schnell aufgenommen fühlten. Die Trainer und Sparrings sind weltklasse und wir können viel von ihnen profitieren.

 

Am Anfang musste ich mich noch ein bisschen an die Infrastruktur gewöhnen. Das Wasser in der Dusche kommt nicht aus einer Brause sondern aus einem Rohr und in unserem Bad wurde anscheinend mal das Abflussrohr repariert, aber irgendwie hat man dann vergessen, das Ganze anschliessend auch wieder mit Beton zu fixieren. Nach dem Motto „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ fühlte ich mich trotzdem schnell wohl. Auch im Verkehr hier gelten andere Regeln: Der schnellste hat Vortritt. Ausser wenn eine Kuh die Strasse überquert. Dann hat diese Vortritt. Solche Begebenheiten lassen mich dann immer wieder spüren wie perfekt wir es in der Schweiz haben.

Ich trainiere hier immer zweimal täglich. Einmal auf der Matte und einmal im Kraftraum oder im Ausdauerbereich mit Sprints. Mittwoch nachmittags und sonntags ist trainingsfrei und wir erkunden die schöne Stadt von Tiflis. Die ersten zwei Wochen waren mit Temperaturen von um die 40 Grad sehr anstrengend. Nebst all den physischen Trainings, arbeite ich auch an meiner mentalen Stärke. So zum Beispiel mit einem Techniktagebuch und Tageszielen. Ich fühle mich gut und kann mir viel „internationale Härte“ erarbeiten.

 

Um meinen Fuss noch etwas zu schonen verzichte ich auf den GP von Rumänien. Der nächste Einsatz wird vermutlich das Grenzlandturnier in Kriessern am 19. August sein. Ich halte euch weiter gerne auf dem laufenden.


U23-EM, Szombathely, HUN -29.03.2017-

 

Und wieder nur fast! So könnte man den Wettkampf zusammenfassen. Nach einem diskussionslosen 11:0-Startsieg gegen Yordan Kungalov (BUL) musste ich im Viertelfinal gegen den einheimischen Bendeguez Toth gleich mit 0:9 die Waffen strecken. Ich fand einfach kein Rezept und sah meine Angriffe jedesmal blitzschnell gekontert.

 

Weil Toth sich in den Final durchkämpfte, bekam ich in der Repechage gegen Alejandro Canada Pancorbo aus Spanien noch eine Chance. Und diese konnte ich nutzen: Nach knapp zwei Minuten konnte ich mit 10:0 als Sieger von der Matte und hatte so im kleinen Final gegen Kanan Aliyev (AZE) die Chance, um Bronze zu ringen.

 

Leider ging es aber auch dieses Jahr nicht auf.  In einem von Abtasten und parierten Angriffen geprägten Duell, lag ich zur Pause 0:1 und bald danach 0:2 zurück. Ich setzte alles auf eine Karte, attaktierte immer wieder und konnte doch nur noch den Ehrenpunkt zum 1:2 erstreiten. Letztlich fehlte also nur ein (1!) Punkt zum ersehnten Edelmetall. Eine Tatsache, die mich ärgert und gleichzeitig anstachelt. Diese offene Rechnung will ich bald begleichen!


Trainingslager USA Cornell University -28.02.2017-

 

Zusammen mit meinen Teamkameraden Samuel Scherrer ging es anfangs Januar los Richtung New York und von dort aus dann weiter mit einem Mietauto Richtung Ithaca, einer kleinen Stadt in Norden des Bundesstaates New York. Die grossartige Infrastruktur der dortigen Cornell University kannten wir ja bereits von unserem kurzen Abstecher im vergangenen Sommer. Anders als damals wurden wir jetzt aber nicht mehr mit den „Freshmen“ untergebracht, sondern durften - zusammen mit 14 weiteren Ringern - im Haus der arrivierten Athleten logieren. Vom ersten Moment an waren wir akzeptiert und die anderen Jungs waren stets freundlich und hilfsbereit. Dass in einem Haushalt mit 16 Männern manchmal etwas das Chaos ausbricht, soll an dieser Stelle darum unerwähnt bleiben! Schliesslich gewöhnt man sich an alles... ;-)

 

Am Anfang konnte ich ja leider wegen der Fussverletzung nicht voll trainieren. Mattentrainings fielen weg und ich musste mich auf Reha, Kraft und Ausdauer konzentrieren. Ich konnte es fast nicht erwarten mich endlich mit den Jungs auf der Matte zu messen! Ab der vierten Woche ging es dann langsam auf die Matte. „Natürlich“ waren immer zwei Physios vor Ort, die mich jederzeit medizinisch versorgten (dies gehört zu den Annehmlichkeiten der Sportler an einer Eliteuniversität). In den anfangs lockeren Technikblöcken und beim Dauerringen merkte ich aber schnell, wie gut mein Fuss verheilt ist.

 

Ende Januar ging es dann Richtung Denver und von da aus mit einem Mietauto nach Colorado Springs. Sämi kämpfte am Dave Schulz Memorial. Für meinen Fuss war es noch zu früh für Ernsteinsätze. Wir hausten vier Tage am Olympiastützpunkt der Amerikaner. Nachher ging es für ein paar Erholungstage nach Boulder. Regenerative Trainings und Erholung vom ersten harten Monat des Jahres waren angesagt. Das Highlight war sicher das Ski fahren in den Rocky Mountains und das Bezwingen der Incline (eine Treppe die 600 Höhenmeter überwindet).

 

Zurück am College wurde sehr hart trainiert: Mit zwei Krafttrainings, 3 verschiedenen Ausdauer-Programmen und bis zu sechs Matteneinheiten, wussten wir Ende Woche jedenfalls was wir gemacht haben. Genauso erfreulich wie die Entwicklung von meinem Fuss war das Abschneiden meiner amerikanischen Kollegen in der College Meisterschaft. Sie gewannen den Titel zum 15. Mal in Folge und drei von ihnen können Ende März um den nationalen Titel (NCAA) ringen. Dabei ist der Stellenwert, den das Ringen in den USA hat nicht zu unterschätzen.  College Kämpfe werden im TV übertragen und in den Hochburgen Pennstate oder Ohio sind 15000 Zuschauer eher Normalfall als Seltenheit!

 

Kyle Dake, auch er ist nach einer langwierigen Verletzung letztes Jahr im wieder eingestiegen, trainierte im Februar mit uns. Er ist zurzeit einer der besten US-Ringer und ich konnte viel von ihm profitieren. Die Sparrings mit ihm waren immer sehr hart und ich musste wirklich mein Bestes geben, um ihm einen Punkt abzujagen. Aber ich bin sicher: Genau diese harten Trainings bringen mich immer näher an die Weltspitze.

 

An den Wochenenden gingen wir jeweils an die Kämpfe des College Teams und unterstützten so unsere Kumpels. Aber auch andere Sportarten haben wir – immer stilecht in Cornell-Farben gekleidet – besucht. Dabei haben vor allem die Hockey Cracks beeindruckt.

 

Aber wie es so ist: Auch diese gut Zeit hat ein Ende. Für das Turnier auf Kuba und die anschliessenden Saisonhöhepunkte in Europa mussten wir unseren Buddies „goodbye“ sagen. Dieser Abschied von all den Jungs war nicht so erfreulich. Alle sind mir ans Herz gewachsen und ich kann es nicht erwarten wieder zurück zu sein! Oder um es mit den Worten des Terminators zu sagen: I'll be back!

 

Mein erstes Turnier Ende Februar in Havanna war dann resultatmässig (Niederlage in Runde 1) noch nicht das Gelbe vom Ei. Doch diese Turnier kann ich gut einordnen. Für mich war wichtiger, dass mein Fuss hält und ich hart an mir weiterarbeiten kann.

 

Nach Kuba genossen wir ein freies Wochenende in Miami, liessen uns von der Sonne bräunen und tankten Energie. Diese werde ich am Turnier in Kiew am kommenden Wochenende definitiv brauchen. Nach meiner Zeit in den USA freue ich mich auf den ersten Saisoneinsatz auf europäischem Boden und natürlich auch auf die Kollegen aus der Nationalmannschaft.

 


Die neue Saison steht vor der Tür -04.01.2017-

 

 

Mit dem Jahr 2017 beginnt für mich auch der neue Olympia-Zyklus. Um in diesem meine Ziele zu erreichen, habe ich meine Herangehensweise komplett überdacht und da und dort wegweisende Entscheide getroffen.

 

 

Die Saison 2016 war nicht einfach. Zwar konnte ich schöne Erfolge wie beispielsweise den 5. Rang an der U23-EM erreichen, aber es gab auch gesundheitliche Rückschläge. Lange Zeit fiel ich mit Rückenproblemen aus infolge derer ich erst spät in die Mannschaftsmeisterschaft eingreifen konnte. Im Letzten Kampf kam es dann nochmals ganz dick: Ich musste verletzt von der Matte und wir verloren das Duell um Bronze gegen Freiamt. Das ramponierte Syndesmoseband ist inzwischen wieder hergestellt und sollte mich nicht mehr allzu lange behindern.

 

 

Nachdem ich im vergangenen Jahr mit der Spitzensportler RS und den darauf folgenden intensiven Trainingsblöcken schon den ersten Schritt in Richtung Profitum gemacht habe, steht jetzt der logische nächste Schritt an. Ich werde mein Trainingspensum noch weiter erhöhen. Um dies auf bestem Niveau tun zu können, habe ich bereits vor rund einem Jahr wichtige Anstrengungen unternommen und Kontakte zu renommierten US-Trainingsinstitutionen geknüpft. Die vielversprechendste – die Conrell University in Ithaca (Bundestaat New York) – habe ich dann im vergangenen Sommer für einige Wochen ausgiebig getestet. Die Trainingsbedingungen in Qualität, Quantität und auch bei den Sparringspartnern sind mit den Möglichkeiten in der Schweiz nicht zu vergleichen und das Team rund um Headcoach Rob Koll machte mir den Entschied nur noch einfacher. So habe ich im Herbst alles dahin gehend organisiert, dass ich meinen Trainingsmittelpunkt im ersten Halbjahr 2017 weitestgehend in die USA verlagern und mich dort auf die wichtigen Termine des Jahres vorbereiten werde. Jeweils für die Höhepunkte (unter anderem U23-EM, Elite-EM und Elite-WM) werde ich dann zurückkehren und mir in Europa noch den letzten Schliff holen. Ab Herbst werde ich dann, sofern alles nach Plan läuft wieder eher in der Schweiz trainieren.

 

 

Zuerst stehen jetzt aber noch einige Wochen Reha und Aufbautraining an. Doch auch dieses werde ich in Ithaca angehen. Schon am 6. Januar geht für mich die Reise über den Teich los. Selbstverständlich werde ich euch hier, aber auch auf meinen Kanälen in den sozialen Medien informieren, was gerade so läuft.

 

 


Herzlichen Dank... -04.01.2017-

 

... an das OK vom Tour de Suiss Etappenort Grosswangen für die grosszügige Unterstützung auf meinem Weg nach Tokio.


Zusammenarbeit mit InterCheese wird verlängert -26.10.2016-

 

 

Bereits seit gut einem Jahr ist die InterCheese AG ein wichtiger Unterstützer von Stifi. Jetzt konnte die Sponsoring-Vereinbarung mit dem renommierten Unternehmen aus Beromünster verlängert werden. Stifi konnte mit seinem totalen Engagement überzeugen und wird so - gerade im Hinblick auf eine weitere Intensivierung und Professionalisierung seines Trainings - wichtigen Support erfahren.

 

Gerade nach den letzten Monaten, die durch Verletzung und Reha für Stifi nicht einfach waren, ist dies ein enormer Aufsteller und gleichzeitig auch ein weiteres Signal, dass sein grosses Engagement honoriert wird.

 

HERZLICHEN DANK InterCheese AG!


Stifi schnuppert an der Cornell University -18.07.2016-

 

 

Nach dem erfolgreich verlaufenen Canada Cup reiste Stifi - gemeinsam mit Nati-Coach Ludi Küng - zum Trainieren in Richtung Süden in die USA. Erste Station war das von der Cornell University organisierte Nachwuchscamp in Brockport (Bundesstaat New York). Der noch lädierte Rücken liess aber dort nur wenig zu, so dass die Trainingsintensität recht tief gehalten werden musste. Nach einer Woche stand dann der nächste Umzug an. Diesmal ging es weiter nach Ithaca, dem eigentlichen Ziel der Reise. In den "Heiligen Hallen" der Cornell University trainierte Stifi gemeinsam mit dem dortigen College Team und einigen Mitgliedern der US-Nationalmannschaft. Auch Klubkamerad Sämi Scherrer war in der Zwischenzeit angereist und zu zweit konnten die beiden ausgiebig die Anlagen inspizieren. Viel gehört hatte man von der Eliteuniversität (Cornell ist neben Harvard, Yale und Princeton akademisch eine DER Topadressen in den USA). Und doch waren die Eindrücke überwältigend: Eine riesige Ringerhalle, Saunas, Dampf- und Eisbäder, ausserdem Krafträume von unglaublichen Ausmassen. Typisch amerikanisch... Da der Rücken noch immer nicht besser war, hatte Stifi zudem "die Gelegenheit", die medizinische Abteilung zu testen und auch diese wusste zu überzeugen.

 

Der Aufenthalt in Ithaca war eine äusserst wertvolle Erfahrung für die beiden. Mit vier US-Ringern bewohnten Sie ein eigenes Haus auf dem Campus, mussten selber Wäsche Waschen und für das Essen sorgen. Trainingsbedingungen und -partner auf Topniveau nutzten sie für zwei tägliche Einheiten und konnten gleichzeitig wichtige Kontakte knüpfen. Gerade dieser Aspekt wurde Stifi und Sämi sehr leicht gemacht. Die einheimischen Athleten begegneten ihnen mit der USA-typischen Hilfsbereitschaft und Offenheit, wodurch schon nach kurzer Zeit Freundschaften entstanden. Freundschaften, die man weiter pflegen will: Schon jetzt ist nämlich klar, dass man im kommenden Jahr intensiver mit den Jungs in Ithaca zusammenarbeiten will.

 

 


Stifi in Kanada auf dem Podest -26.06.2016-

 

 

Nach einigen Wochen in denen die Erholung im Vordergrund stand, ist Stifi am 25. Juni 2016 in Guelph am Canada Cup angetreten. Trotz Reisestrapazen, fehlendem Wettkampfrhythmus und einem etwas blockierten Rücken gelang ihm im kanadischen Bundesstaat Ontario an der Grenze zu den USA ein guter Auftritt. Im Viertelfinal schlug er den Kanadier Nick Proctor gleich mit 10:0 und räumte im Halbfinal mit Clayton Pye noch einen weiteren Einheimischen aus dem Weg (7:0). Im Final erwies sich Morgan Smith (USA) dann aber als zu stark und der Grosswanger zog mit 6:8 den Kürzeren.

 

 

Jetzt wird Stifi die Grenze überqueren und im US-Bundestaat New York zuerst einige Tage in Brockport und danach an der Cornell University in Ithaca trainieren.

 

 


Der Winter kann kommen... ;-) - 09.06.2016-

 

Mit TOKO kann Stifi neu auf einen weiteren Sponsor zählen. TOKO ist eine Schweizer Traditionsfirma von Weltruf und stellt Wachsprodukte für höchste Ansprüche her. Auch dieser neueste Partner wird Stifi unterstützen, in den nächsten Jahren seine hohen Ziele zu erreichen. Herzlichen Dank für den Support! Sicher wird Stifi auch kommenden Winter im Loipentraining von den TOKO-Innovationen profitieren können.


Rio bleibt ein Traum -16.05.2016-

 

Am 8. Mai hatte Stifi in Istanbul am letzten Quali-Turnier für die Olympischen Spiele  nochmals eine Chance sich für die Sommerspiele in Rio zu qualifizieren. Doch noch bevor das Turnier begann, musste er den ersten (und vielleicht entscheidenden) Rückschlag hinnehmen. Da Marco Riesen sich bereits in der Mongolei von seiner Verletzungspause zurück meldete, hatte der Schweizer Verband das Problem, auf 86 kg zwei Athleten für nur einen Startplatz zu haben. Die Wahl fiel dabei auf den erfahreren Riesen, weshalb für Stifi zu Beginn nicht klar war, ob er überhaupt antreten darf. Erst nach dem krankheitsbedingten Forfait von Philipp Hutter auf 97 kg ging wieder eine Tür auf. Man entschied sich, Stifi eine Klasse zu heben und ihn gegen die „schweren Jungs“ kämpfen zu lassen. Klar, durfte man von dieser Ausgangslage eigentlich nichts erwarten, da die körperlichen Unterschiede schlichtweg zu  gross sind.

 

Doch es kam anders! Stifi legte eine Jetzt-erst-recht-Einstellung an den Tag und konnte – berücksichtigt man die Vorzeichen – fast total überzeugen. Im ersten Kampf gegen den Spanier Rodriguez Valenzuela zeigte er eindrücklich, zu was er in Zukunft im Stande ist. Nach einer von Abtasten geprägten ersten Hälfte und einem 1:5-Rückstand, drehte er richtig auf, holte Punkt um Punkt auf, ging dann gar in Führung und konnte als Krönung den Iberer beim Stand von 10:5 vorzeitig aus dem Turnier verabschieden. Am Boden liess Stifi seinen Gegner nicht mehr entrinnen und drückte ihn auf die Schultern.

 

Leider kam dann in der zweiten Runde ein noch grösseres Kaliber auf Stifi zu. Arjun Singh Gill aus Kanada, nach Papierform haushoher Favorit, sollte dann auch schon die Endstation sein. Aber ganz so wie sich der Nordamerikaner sich das vorgestellt hat, verlief der Kampf nicht. Die beiden Ringer schenkten sich nichts, liessen kaum Aktionen zu und so war es Stifi, der durch eine Inaktivitätsverwarnung seines Gegners 1:0 in Führung gehen konnte. Der Kampf ging äusserst taktisch weiter und so war es Stifi, der sich ebenfalls eine Verwarnung für Inaktivität anlasten lassen musste. Beim Stand von 1:1 waren die sechs Minuten abgelaufen und Gill konnte – weil er den letzten Punkte machte - den Einzug in die nächste Runde feiern.

 

Für Stifi war der Traum von einer Teilnahme an den Rio-Olympics ausgeträumt. Enttäuscht von diesem Verdikt kann er sich sicherlich an diesem starken Auftritt aufbauen. Insbesondere hat sich gezeigt, dass er sich mit seinem eisernen Training in den letzten Monaten körperlich auf die nächste Stufe gebracht hat: „ Darauf lässt sich aufbauen! Einmal mehr war es knapp und ich habe wieder gesehen, dass die Lücke zur Spitze gar nicht mehr so gross ist. Das wird mir jetzt den Mut geben weiter zu arbeiten und in vier Jahren in Tokio dabei zu sein!“

 

Bevor „Mission Tokio 2020“ beginnt, widmet sich Stifi nun einige Tage der Erholung. Die bisherigen Turniere haben Spuren hinterlassen und es gilt , einige kleinere Verletzungen endlich ausheilen zu lassen. Spätestens ab Juni wird das Ringen dann wieder zu Hauptsache.


#OneTeam: Stifi erhält grosszügige Unterstützung -27.04.2016-

 

Stifi wird per sofort auch durch die Stiftung Schweizer Sporthilfe unterstützt. Auf dem Weg zum Erfolg ist dies ein weiterer wichtiger Meilenstein. Herzlichen Dank!


Quali-Turnier in Serbien verläuft nicht nach Wunsch -18.04.2016-

 

Am einzigen Europa-internen Qualifkationsturnier für die Olympischen Spiele in Rio konnte Stifi leider nicht wie gewünscht abschneiden. Gleich nach der Auslosung im serbischen Zrenjanin konnte man im ersten Moment zwar noch von "Glück" sprechen, musste diese Meinung bei genauerer Betrachtung des Tableaus aber recht schnell revidieren: Stifi bekam ein Freilos in der 1. Runde und musste erst im Viertelfinal eingreifen (somit hätten 2 Siege gereicht, um den Finalplatz und die damit gleichbedeutende Olympia-Qualifikation zu erreichen). Gegner in diesem ersten Kampf war aber der ukrainische Routinier Ibragim Aldatov (33). Bei Betrachten von dessen Leistungsausweis (2 x Weltmeister, 8 EM-Medaillen) war klar: Es wird richtig schwierig!

 

Und so kam es dann auch. Unbeeindruckt vom Renommee des Osteuropäers, zeigte Stifi zwar einen guten Kampf, war bereits in der 1. Hälfte der aktivere Ringer und musste doch mit einem 0:1 in die Pause. Um diesen Rückstand auszubügeln musste Stifi dann im 2. Abschnitt viel Riskieren. Zu viel wie sich zeigte. Aldatov verlagerte seine Taktik auf Konter und hatte damit Erfolg. Stifi bezahlte sein Anrennen mit zwei weiteren 2er-Wertungen und konnte erst dann auf 1:5 verkürzen. Dabei blieb es, die Träume vom Ticket waren vorerst ausgeträumt und als Aldatov im Halbfinal ebenfalls verlor, war auch klar, dass es keine Repechage für Stifi geben wird.

 

So blieb zum Schluss der 14. Rang. Weit weg von den "Honigtöpfen". Etwas enttäuscht konnte Stifi dem Auftritt aber auch Positives abgewinnen: "Eigentlich gelang mir ein guter Kampf. Ich marschierte vorwärts und konnte einen sehr routinierten Gegner auch einige Male in Schwierigkeiten bringen. Die Einstellung hat sicher gepasst."

 

Am nächsten Quali-Turnier kommendes Wochenende in Ulan Bator (MGL) besetzt RCW-Teamkollege Marco Riesen die 86 Kilo-Klasse. So bleibt Stifi nun etwas Zeit sich zu erholen und eine Fussverletzung, die er sich im Kampf gegen Aldatov zugezogen hat, auszukurieren.


Stifi ist EM-Fünfter -04.04.2016-

 

Erstmals trat Stifi am 3. April an einem Grossanlass in der Kategorie bis 86 kg an. Und die Losfee beschied ihm gleich ein richtiges „Antrittsgeschenk“: Im ersten Duell wartete gleich der Russe Abdulrashid Sadulaev. Dieser ist momentan nicht nur im Nachwuchs, sondern auch in der Elite, der Mann den es zu schlagen gilt und hat seit 2013 jedes internationale Turnier an dem er angetreten ist, gewonnen (darunter zwei Welt- und eine Europameisterschaft, aber auch die European Games). Zwar kocht auch Sadulaev nur mit Wasser, aber im Duell mit Stifi zeigte sich, dass der Russe wohl noch über die etwas grössere Pfanne verfügt. Stifi musste Punkt um Punkt abgeben, geriet nach knapp anderthalb Minuten dann fast vollends unter die Räder und konnte nur in höchster Not die Schulterniederlage abwenden. Trotzdem waren nicht mal 2 Minuten Kampfzeit abgelaufen, als das 0:10 fest stand und der Russe in die nächste Runde einzog.

 

Wie zu erwarten war, behielt Sadulaev diese Pace bei und – soviel vorweg – konnte sich zum Schluss mehr als verdient die Goldmedaille abholen. Seine Gegner hatten nicht den Hauch einer Chance und wurden mit technischer Überlegenheit von der Matte gefegt. Dadurch keimte bei Stifi aber wieder Hoffnung auf. Als eines der „Sadulaev-Opfer“ konnte er in der Repechage nochmal ins Geschehen eingreifen.

 

Sein Gegner dort war Gergely Gyurits (HUN). Nach einem 0:2-Rückstand zur Pause stellte Stifi seine Zähigkeit unter Beweis und riss die Führung an sich. Ein strittiger Entscheid zum Schluss hätte den 21-Jährigen dann aber fast noch um seinen verdienten Lohn gebracht. Coach Thomas Bucheli griff aber clever ein und konnte mit einer Challenge den Videobeweis und damit die Korrektur erwirken. Stifi gewann mit 5:4 und durfte so in dem Kampf um Bronze einsteigen. Mit Aleksandr Hushtyn (BLR) stand dort im blauen Dress aber kein geringerer als der entthronte U23-Europameister vom letzten Jahr. Die beiden Kontrahenten tasteten anfangs ab und so kam kaum Schwung in den Kampf. Es war der Weissrusse, der durch eine Aktivitätsverwarnung an Stifi 0:1 in Führung ging und wenig später einen weiteren Wertungspunkt zum 0:2 buchen konnte. Mit diesem Stand ging es in die Pause. Nachher musste Stifi kommen. Er versuchte alles und griff die Beine seine Gegners Mal um Mal an. Leider konnte dieser mit Kontern Nadelstiche setzen und seine Führung bis zum 1:6-Schlussresultat ausbauen.

 

So beendet Stifi die EM auf Rang 5. Im Moment überwiegt die Enttäuschung. Aber schon bald wird er das Positive sehen und zu Recht stolz auf das Erreichte sein. Zeit zum Grübeln bleibt im allemal nicht: Bereits am 16. April findet in Zrenjanin (SRB) das erste Qualiturnier für Olympia statt.

 


Stifi's Tour durch Bulgarien -18.03.2016-

Nach dem guten Turnier in Sofia blieb nicht lange Zeit zum Feiern. Erstens stehen in den nächsten Wochen ja noch höhere Ziele an und zweitens, weil schon am Sonntag der Bus vor dem Hotel wartete, um den nächsten Trainingsort anzusteuern. Gemeinsam mit Thomas Bucheli – RCW-Trainer und Co-Trainer der Nationalmannschaft – ging’s für Stifi für eine Woche nach Teteven, einem der Olympia-Stützpunkte der bulgarischen Ringer-Nati. Stifi hatte Gelegenheit mit der bulgarischen Elite-Nationalmannschaft zu trainieren, welche sich in der Vorbereitung für die EM in Riga befand. Zu Beginn der Woche noch etwas ausgelaugt vom Turnier in Sofia, steigerte sich die Intensität nach und nach gegen Ende der Woche.

 

Bevor Stifi am Wochendende ein weiteres Mal den Standort wechselte, hiess es „Coach Thomi“ zu verabschieden. Danach ging die Reise alleine weiter nach Dimitrovgrad, um dort mit der besten Nachwuchsabteilung (U20) Bulgariens zu trainieren. Nach einer herzlichen Begrüssung durch Coach Selüm Naim, war es dann auch schon vorbei mit der Nettigkeit. Naim formte, schliff und quälte Stifi die ganze Woche. Neben Kraft- und Lauftraining, standen auch 10 harte Matteneinheiten auf dem Programm. Gemeinsam mit den jungen Bulgaren, die ihn sehr freundschaftlich integrierten, ging Stifi Mal um Mal an seine Grenzen. Als Belohnung gab’s dann endlich auch ein freies Wochenende.

 

Am Montag war der Tag des letzten „Umzugs“: Das Ziel war ein Höhentrainingslager in Samakov, einem weiteren bulgarischen Olympia-Stützpunkt. Dort bereitete sich die einheimische U23-Nationalmannschaft vor und Stifi traf somit im Training auf einige derjenigen Ringer, die es dann in Rousse an der U23-EM zu schlagen gilt.

 

Nach drei intensiven und harten Wochen ist Stifi nun merklich froh, zur Regeneration wieder nach Hause zu können.


Stifi auf dem Podest -29.02.2016-

Zum Auftakt seines „bulgarischen Monats“ trat Stifi letzten Samstag, 27. Februar 2016, am traditionsreichen Petko-Sirakov-Turnier in Sofia an. Dabei zeigte er einen guten Auftritt. Um rund einen Monat vor den U23-Europameisterschaften nicht unnötig Substanz zu riskieren, entschied er sich, kein Gewicht zu machen und schrieb sich darum für die Kategorie bis 86 kg ein.

 

In der Startrunde traf er auf den einheimischen Dimitrov. Diesem zeigte Stifi dann mit einem 13:2-Sieg, dass der Heimvorteil an diesem Tag nur wenig wert ist. Eine grössere Hürde wartete dann im Halbfinal mit dem Georgier Meki. Stifi begann stark und lag zur Pause 8:4 vorn. Die zweite Hälfte verlief dann nicht mehr nach Wunsch und so stand es bei Kampfende 8:8. So kam – in diesem Fall leider – eine Eigenart des Ringsports zum Tragen: Da beide Ringer gleich viele Punkte aufwiesen, ist derjenige Sieger, der den letzten Punkt oder die höheren Wertungen erzielen konnte. So schlug das Pendel auf die Seite des Georgiers aus. Eine knappe Entscheidung, die diesem Schub zu geben schien: Er liess sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und siegte auch im Final.

 

Stifi musste in der Zwischenzeit die Enttäuschung über das knappe Ausscheiden verdauen und sich auf den Kampf um Platz 3 fokussieren. Coach Thomas Bucheli hat dabei wie es scheint die richtigen Worte gefunden. Im Bronzeduell stand wiederum der Bulgare Dimitrov auf der Gegenseite. Dieser hatte sich über die Repechage eine Chance auf Edelmetall gesichert und wollte im zweiten Duell mit Stifi eine bessere Figur machen. Eine Hoffnung die sich schnell zerschlug: Stifi zeigt nochmals eine konzentrierte Leistung, machte Punkt um Punkt und beendete auch diesen Kampf vor Ablauf der Zeit mit 11:0.

 

Der Podestplatz gibt Stifi sicher Mumm für die kommenden Aufgaben. Zusammen mit Ringern auf verschiedenen – vornehmlich osteuropäischen – Ringern trainiert er nun noch rund drei Wochen in Bulgarien und reist dann nochmals für einige Tage zurück in die Schweiz. Zu Hause wird er dann die letzten Vorbereitungen treffen, bevor er zurück nach Bulgarien reist und am 2. April an der U23-EM in Rousse kämpfen wird.

 


Stifi auf Kuba -14.02.2016-

Nach dem GP in Paris ging es für zwei Wochen mit der Nationalmannschaft weiter nach Kuba ins Trainingslager. Neben Kondi-Einheiten am Strand (zu Beginn bei sonnigen 28 Grad), wurde auf der Matte mit dem kubanischen, ecuadorianischen und kanadischen Nationalteam vor allem an Kampfsituationen und Wettkampfhärte gearbeitet. Die Trainingsbedingungen für die Mattentrainings waren übrigens recht speziell: Die „Halle“ ist eigentlich mehr eine überdachte Matte. Dies sorgt zwar dafür, dass stets ein angenehmer Luftzug herrscht. Dafür nisten sogar Vögel unter dem Hallendach! Darum war es natürlich besonders wichtig, auf Sauberkeit zu achten, weswegen das Desinfektionsmittel ein ständiger Begleiter war... 

 

Nach der ersten Woche schlug dann das Wetter um: Die Trainings am Strand fielen buchstäblich ins Wasser; darum wurde Vieles in den kleinen Hotelkraftraum oder auf die Laufbahn verlegt. Alles in allem konnte Stifi auf Kuba wieder viel profitieren. Ringen gegen erfahrene, blitzschnelle Top-Trainingspartner (davon viele Medaillengewinner von Grossanlässen) ist genau das, was ihn weiter bringt.

 

Zur Regeneration rückt Stifi nun wieder nach Magglingen ins Leistungszentrum der Armee ein. Dort wird er sich mit polysportiven Trainings lockern, die bisherigen Kämpfe analysieren und bald schon nach Bulgarien reisen. Mit einem Turnier und anschliessendem Trainingslager soll dort die Grundlage für die U23-EM anfangs April geschaffen werden.

 


Erster Formtest in Paris -31.01.2016-

 

Bei seinem ersten internationalen Einsatz der Saison lief für Stifi am stark besetzten Turnier in Paris noch nicht alles nach Wunsch, trotzdem kann man von einem gelungenen Auftritt sprechen. Nach einem diskussionslosen 10:0-Sieg gegen den überforderten Franzosen Teo Mathe in der Startrunde, musste der Grosswanger im Viertelfinal ausgerechnet gegen den amtierenden U23-Europameister Alexandr Hushtyn (Weissrussland) antreten. Trotz guter Aktionen und unbändigem Kampfeswillen verlor Reichmuth gegen diesen. Weil Hushtyn im Halbfinal gegen den Iraner Karimimachiani seinerseits den Kürzeren zog, war das Turnier für Stifi beendet.

 

Die Saison ist noch sehr jung und der Wettkampfrhythmus fehlt. Bedenkt man zudem, dass der 21-Jährige direkt aus dem harten Trainingsalltag in der Spitzensport-RS und in der ungewohnten Kategorie bis 86 kg antrat, gelangen ihm in Paris zwei solide Kämpfe. Mit etwas mehr Losglück wäre aber sicherlich sogar noch mehr als der am Schluss resultierende 8. Platz möglich gewesen.

 

Ab März wird Stifi – wieder in seiner angestammten Gewichtsklasse bis 74 kg – zuerst an der U23-Europameisterschaft im bulgarischen Rousse und danach an den Qualifikationsturnieren für die Olympischen Spiele antreten. Vorher reist er nun aber in ein zweiwöchiges Trainingslager nach Kuba. Danach wird er die perfekte Betreuung und Infrastruktur am Leistungszentrum der Armee in Magglingen nutzen, um sich weiter seiner Bestform zu nähern.

 


Familie und Freunde zu Besuch -29.01.2016-

 

Heute war in der Spitzensport-RS Besuchstag. Familie und Freunde der Athleten konnten sich in Magglingen ein Bild davon machen, was die jungen Sportler die ganze Woche über so treiben.

 

Nach der Begrüssung durch den Kommandanten stand die "Brevetierung" auf dem Programm: Seit heute sind die Spitzensportler darum nicht mehr „Rekruten“ sondern „Sportsoldaten“. Anschliessend konnten die Besucherinnen und Besucher, aufgeteilt in Gruppen, bei in den verschiedenen Disziplinen-Trainings vorbei schauen. Für viele Eltern war es natürlich interessant, einmal in eine andere Sportart zu schnuppern. Ausserdem gab es während des Trainings, aber auch danach beim gemeinsamen Essen die Gelegenheit sich untereinander auszutauschen. So entwickelten sich spannende Gespräche zwischen Athleten, Trainern, militärischem Kader und Angehörigen der Sportler. Interessant waren natürlich auch die – manchmal etwas neidvollen – Blicke von Athleten-Vätern (oder auch anderen Männern mit Armee-Erfahrung), wenn Sie die komfortable Unterkunft ihrer Sprösslinge inspizierten... ;-)

 

Unter "Media" finden Sie auch einige Bilder vom Besuchstag.

 

 


Stifi in Nendingen mit Sämi Scherrer, Tobias Portmann und Max Heller

Die neue Saison hat begonnen -24.01.2016-

 

Nach anstrengenden Wochen mit der Doppelbelastung aus vielen Trainingseinheiten im Rahmen der Spitzensport RS und den gleichzeitig geforderten Spitzenleistungen für den RC Willisau an der Schweizer Mannschaftmeisterschaft, konnte Stifi über Weihnachten und Neujahr etwas entspannen.


Doch gleich mit Beginn des neuen Jahres hiess es wieder: Ab auf die Matte! Mit einem zweiwöchigen Trainingslager am deutschen Olympiastützpunkt Freiburg, feilte Stifi zusammen mit seinen Natikollegen und der deutschen Nationalmannschaft an Kraftausdauer und Kampfsituationen. Die perfekten Bedingungen wurden genutzt und täglich zwei Einheiten absolviert.

 

Noch ist das grosse Saisonziel relativ weit weg, doch man merkte es an der Intensität der Trainings: Die Olympischen Spiele in Rio sind mehr als nur im Hinterkopf! Stifi verlangte sich alles ab und pushte sich immer und immer wieder bis ans Limit. Gut darum, dass die Freiburger Therme relativ nah lag und darum ab und zu zur Regeneration genutzt werden konnte. Zum Abschluss der zwei Wochen konnte Stifi dann noch etwas Finalluft schnuppern: Zusammen mit drei weiteren RCW-Athleten besuchte er den ersten Finalkampf der Mannschaftsmeisterschaft  in der 1. Bundesliga zwischen dem ASV Nendingen und dem SV Germania 04 Weingarten.

 

Bevor es mit dem Turnier in Paris am 31. Januar 2016 zur ersten Standortbestimmung geht, rückt Stifi jetzt noch für eine Woche nach Magglingen ein. Dort wird er vor allem regenerativ arbeiten, um am 31. Januar mit vollen Tanks in den Ring zu steigen.


Stifi in der Spitzensportler RS -29.11.2015-

 

Seit Ende Oktober absolviert Stifi die Rekrutenschule für Spitzensportler. Zusammen mit rund 30 anderen Nachwuchstalenten (Frauen und Männer aus Orientierungslauf, Fussball, Beachvolley, Badminton, Fechten, Leichtathletik und Schiessen) hat er es in dieses Fördergefäss des Bundes geschafft. Dies ist eine grosse Chance. Betreut von Fachleuten können die jungen Sportler unter besten Bedingungen trainieren und erhalten wertvolle Tipps zu Trainingsgestaltung, Karriereplanung oder Ernährung. Auch der Austausch untereinander ist sehr positiv, da man von Inputs aus anderen Sportarten profitieren kann.

 

Insbesondere in den ersten fünf Wochen erhielt aber auch die militärische Ausbildung grosses Gewicht. Angegliedert an die Instandhaltungsrekrutenschule in Lyss galt es, fast wie für alle anderen Rekruten, zuerst einmal das Einmaleins der Armee zu lernen. Aber eben nur fast. Während vormittags der Umgang mit der Waffe oder Unterricht in Sanitätsdienst auf dem Programm steht, dürfen sich die jungen Sportler am Nachmittag und Abend Ihrem Sport und dem persönlichen Training widmen. Natürlich musste sich Stifi anfangs an diesen Spagat gewöhnen. Neben der sehr frühen Tagwache waren zu Beginn auch die militärischen Umgangsformen ungewohnt. Für einen Athleten, der permanent auf das Gewicht achten muss, waren aber auch alltägliche Dinge, wie die äusserst gehaltvollen Mahlzeiten in der Kaserne, eine Herausforderung.

 

Diese „grüne“ Phase geht nun aber zu Ende. Die Spitzensportler verlassen die anderen Rekruten in Lyss und ziehen für 13 Wochen ins Kompetenzzentrum Sport der Schweizer Armee nach Magglingen. Dort können sie sich noch intensiver der sportlichen Entwicklung widmen. Darauf freut sich Stifi besonders, weil er das Training weiter intensivieren kann.

 

Gerade im Moment ist der Alltag aber nicht nur von Armee und Training geprägt. Obwohl die eigentliche Ringer-Saison mit zahlreichen internationalen Höhepunkten erst im Januar wieder beginnt, ist gegenwärtig auch der Wettkampf ein wichtiges Element. Die Mannschaftmeisterschaft geht in die entscheidende Phase und Stifi steht jeweils am Wochenende für den Ringer Club Willisau auf der Matte: „Es ist nicht immer einfach. Jeder Gegner ist im Kampf mit einem Mitglied der Nationalmannschaft natürlich besonders motiviert. Auch das Publikum hat oft besonders hohe Ansprüche. Aber damit muss ich umgehen können!“

 

Ein Druck, mit dem Stifi aber gut umzugehen scheint. Seit 2012 ist er in der heimischen Meisterschaft ungeschlagen. Eine Serie, die er natürlich im anstehenden Final der Mannschaftsmeisterschaft gegen die RR Hergiswil nur zu gerne ausbauen will.

 


Erneut gutes Ergebnis beim GP von Bukarest -19.07.2015-

 

Nach dem Turniersieg vom letzten Wochenende stand Stifi am 19. Juli bereits wieder an einem internationalen Turnier auf der Matte. Am traditionsreichen Anlass in der rumänischen Hauptstadt Bukarest trat er in der Kategorie bis 86 kg an. Und seine Konkurrenten – diesmal fast ausschliesslich international erprobte, teils sehr erfolgreiche Athleten – dachten nicht im Traum daran, es dem jungen Grosswanger leicht zu machen.

 

Den Achtelfinal gegen Sergei Kolesnikov (ISR) konnte Stifi souverän gestalten, machte Punkt um Punk und lag kurz vor Schluss mit 6:2 in Front. Zwar musste er dem Gegner noch eine 2er-Wertung zugestehen, das 6:4-Schluresultat wirkt aber knapper als es der Kampf in Wirklichkeit war. Doch Stifi war gewarnt und sollte Recht behalten: Michael Kaufmehl aus Deutschland wollte gleich zu Beginn der Viertelfinal-Begegnung den Tarif bekannt geben, liess seinem Gegenüber keinen Raum und zog schnell vermeintlich vorentscheidend mit 4:0 davon. Doch dann kam die Reaktion mit der er wohl nicht rechnete: Stifi hebelte ihn aus und konnte mit einer sehenswerten 4er-Wertung den Kampf wieder auf seine Seite manövrieren. Der Deutsche gab zwar nicht auf, griff weiter verzweifelt an und hatte doch schliesslich mit 7:5 das Nachsehen. Stifi war im Halbfinal.

 

Dort zeigte sich dann, dass die Trauben in der für Stifi ungewohnt schweren Gewichtsklasse halt doch noch etwas hoch hängen. Piotr Ianulov aus Moldawien stellte dabei eine unüberwindbare Hürde dar, liess Stifi keine Chance und fügte diesem eine diskussionslose 1:7-Niederlage zu. Dieses Resultat muss man allerding relativieren. Ianulov trat – anders als Stifi - nicht nur in seiner angestammten Gewichtsklasse an, sondern gehört in dieser zur absoluten Spitze. Zuletzt bewies er dies an den European Games in Baku mit der Silbermedaille.

 

Im letzten Kampf des Tages musste Stifi dann dem harten Programm der vergangenen Wochen, mit dem Intensivtrainingslager im Tessin und dem Turnier in Deutschland Tribut zollen. Es war ihm anzusehen, dass die Kräfte nicht mehr reichten, um Ion Pislaru (Rumänien) entscheidend zu fordern. Die abschliessende 2:6-Niederlage war für Stifi gleichbedeutend mit dem 5. Schlussrang: „Natürlich wäre ich gerne wieder auf dem Podest gestanden. Aber dazu hatte ich heute nicht genug im Tank. Ich merke aber, dass der Kampfrhythmus immer mehr kommt und ich kann dem Knie wieder voll vertrauen. Die Kämpfe werden jetzt analysiert und dann steige ich wieder mit vollem Elan ins Training ein.“


Das harte Trainingslager trägt Früchte -13.07.2015-

 

Gemeinsam mit der Schweizer Nationalmannschaft reiste Stifi Ende Juni für zwei Wochen ins Tessin nach Tenero. In erster Linie hiess es, die Grundlagen in Kraft und Ausdauer zu schaffen. Bei zwei bis drei täglichen Einheiten kam aber auch das Mattentraining natürlich nicht zu kurz. Und wie immer konnten die Ringer von den perfekten Bedingungen im Sportzentrum profitieren. Insbesondere der Nahe gelegene See war in zweierlei Hinsicht wichtig: Einerseits wurde kurzerhand das Training auf (Kanu und Standup paddeln) oder in (schwimmen) den See verlagert. Andererseits konnte man sich, angesichts der äusserst hohen Temperaturen, zwischen den Einheiten im Wasser abkühlen und neue Kräfte tanken.

 

Als Abschluss des Trainingslagers stand dann am 11. Juli das U23-Turnier in Eisleben nahe Leipzig auf dem Programm. Wie schon fast gewohnt nach intensiven Krafteinheiten, trat Stifi nicht in seiner angestammten Gewichtsklasse, sondern in der nächst höheren auf 84 kg an. Noch auf der Waage machten sich die Strapazen aus den harten Trainings bemerkbar. Doch nach dem ersten Kampf waren die müden Muskeln vergessen und Stifi im Wettkampfmodus drin: Mohamed Gunaev, sein deutscher Gegner, hatte keine Chance und musste mit 12:2 die Segel streichen. Mit Benjamin Opitz wartete im zweiten Kampf der 5. der letzten Junioren Europameisterschaften. Doch auch dieser schwierigen Aufgabe konnte sich Stifi mit Bravur entledigen (7:4-Sieg). Es folgte der 6:3-Sieg gegen Dominic Peter (amtierender Österreichischer Elite-Meister) und zum Abschluss ein diskussionsloses 10:0 gegen die deutsche Nachwuchshoffnung Dimitri Blayvas. Damit war dann klar: Stifi gewinnt als erster Schweizer das Turnier. Doch dieser richtete unmittelbar nach dem letzten Kampf seinen Blick schon wieder nach vorne: „Natürlich tat es nach der Knieverletzung und der Enttäuschung in Baku gut, mal wieder zu oberst zu stehen. Das zeigt, dass mein Weg weiterhin stimmt. Aber jetzt muss ich weiter hart an mir arbeiten. Meine Gegner schlafen bis zur WM in Las Vegas auch nicht!“. Bevor die endgültige Vorbereitung auf diesen Grossanlass im September los geht, tritt Stifi aber am Wochenende noch an einem internationalen Turnier in Bukarest an.


European Games in Baku enden mit Enttäuschung -17.06.2015-

 

Nach der intensiven, von einer Verletzungspause geprägten, Vorbereitung galt es für Stifi am Mittwoch, 17. Juni ernst. Doch leider meinte es schon die Auslosung nicht gut mit ihm: Startgegner in der Qualifikation der Kategorie bis 74 kg war mit dem 32-jährigen moldawischen Routinier Alexandru Burca, gleich ein international erfahrener Brocken. In einem zähen Duell ging Stifi zwar mit 1:0 in die Pause, musste dann seinen Gegner aber auf 1:4 davon ziehen lassen. Zwar konnte er nochmals auf 3:4 verkürzen, gab aber umgehend zwei weitere Punke ab. Am 3:6-Verdikt liess sich dann trotz verbissenem Anrennen aber nichts mehr ändern.

 

Was blieb, war das Bangen um eine zweite Chance in der Hoffnungsrunde. Aber auch dieser Traum zerplatze bald. Da Burca im anschliessenden Achtelfinal gegen den amtierenden Juniorenweltmeister aus Frankreich unterlag, war klar: Es würde bei nur einem Auftritt an den Europaspielen bleiben. „Heute hat es einfach nicht zusammen gepasst. Mein Fitness-Stand war zwar sicher sehr gut, aber auf diesem Niveau werden halt kleinste Fehler knallhart ausgenutzt“, analysierte Stifi schon bald nach dem Kampf.

 

Auch wenn die Knieverletzung die Vorbereitung erschwerte und die Auslosung sicherlich nicht als glücklich bezeichnet werden kann, ist dieser Ausgang eine leise Enttäuschung. Daneben konnte Stifi aber auch wertvolle Erfahrungen an einem Grossanlass sammeln. Das Leben im Athleten-Dorf, der Besuch anderer Wettkämpfe und die spezielle Ambience, sind wertvolle Eindrücke für die Zukunft.

 

Doch letztlich war Baku für Stifi nur ein Zwischenziel. Nach einer kurzen Erholungsphase wird er sich nun in einem Trainingslager und dem internationalen Turnier in Bukarest für den Saisonhöhepunkt vorbereiten: An der Weltmeisterschaft im September an Las Vegas sollen dann die Früchte der harten Arbeit geerntet werden.


Intensives Trainingslager mit Verletzungspech -30.04.2015-

 

Mitte April ging es für Stifi mit der Nationalmannschaft nach Bulgarien. Im aus dem Skiweltcup bekannten Bansko sollte für die kommenden vier Wochen – unterbrochen vom internationalen Dan Kolov-Turnier in Sofia – an der Form gearbeitet werden. Die Trainingsbedingungen waren optimal und Spitzenringer aus Bulgarien, Rumänien, Ägypten, Italien und Mazedonien versprachen harte Duelle. Man spürte förmlich, wie die Formkurve von Tag zu Tag weiter nach oben zeigte und viele der Sparringsduelle konnte Stifi für sich entscheiden. Neben dem Mattentraining mussten sich alle Athleten bei Bergläufen und in Kraftparcours alles abverlangen.

 

Natürlich durfte bei diesem Pensum die Erholung nicht vernachlässigt werden. Mit Jassen und Filmen wurden darum so bewusst ruhige Abende verbracht. Umso überraschender war dann der nächtliche Besuch zweier Kontrolleure von Antidoping Schweiz: Es hiess, Blut und Urin abzuliefern! Aber auch dies gehört dazu und ist inzwischen kein grosser Aufreger mehr.

 

Nach gut zehn Tagen in Bansko stand dann in Sofia das renommierte Dan Kolov-Turnier auf dem Programm. Wie jedes Jahr hatten sich zahlreiche Spitzenringer aus vielen Nationen angemeldet und Stifi stand darum vor einer echten Standortbestimmung. Um den Trainingseffekt nicht zu gefährden entschied er sich gemeinsam mit Nationaltrainer Ludi Küng, nicht auf 74 kg sondern 86 kg anzutreten. Zu viel Kraft und Zeit wären nötig gewesen, um die antrainierten Kilos herunter zu „kochen“. Ein Entscheid, der sich gleich zu Beginn des Turniers noch als richtig erwies. Topfit und voll motiviert stieg Stifi ins Duell gegen seinen tunesischen Startgegner und liess ihm keine Chance. Kaum je geriet er in Bedrängnis und zur Pause stand es aus Schweizer Sicht bereits 8:0. Doch dann passierte es: Mit der entscheidenden Aktion holte Stifi zwar die Punkte zum siegbringenden 10:0, verdrehte sich dabei aber das rechte Knie. Ein stechender Schmerz – an ein Weiterringen war nicht zu denken! Viel mehr galt es, trotz Enttäuschung gleich das Programm zu ändern. Stifi musste auf die beiden weiteren Trainingswochen verzichten und setzte sich in den Flieger zurück in die Schweiz, um die Verletzung untersuchen zu lassen.

 

Dort folgte dann die Entwarnung: Auf dem MRI zeigte sich zur grossen Erleichterung, dass alle Bänder im Knie stabil sind. Lediglich Meniskus und Muskulatur haben etwas gelitten, woraus sich ein Bluterguss ergab. Dieser ist zwar schmerzhaft und blockiert das Gelenk, macht aber keine Operation nötig. Nach einige Tagen Ruhe und intensiver Reha und Physio wir Stifi schon bald in alter Stärke zurück auf der Matte stehen. Letztlich also gute Nachrichten für den jungen Athleten, der vergangene Woche erst von Swiss Olympic offiziell für die European Games in Baku (12. – 28. Juni 2015) selektioniert wurde.


Silber an der SM -28.03.2015-

 

Nur vier Tage nach dem kräftezehrenden Einsatz an der U23-Europameisterschaft in Polen stand Stifi bereits wieder auf der Matte, als es in Muri darum ging, den Schweizermeister im Freistil-Ringen zu erküren. Damit nicht noch zusätzlich Energie verbraucht wurde, um sein internationales Wettkampfgewicht von 74 kg zu halten, trat Stifi darum in der Klasse bis 86 kg an. Mit Bravour! Ungefährdet zog er in den Final ein und lieferte sich dort mit dem Routiner Thomas Suppiger von der Ringerriege Hergiswil einen packenden Kampf. Mit dem besseren Ende für Suppiger. Die Strapazen der vergangenen Wochen mit den harten Fights an der U23-EM gingen nicht spurlos am Grosswanger vorüber und er musste sich letztlich knapp geschlagen geben.

 

Die Silbermedaille zu erreichen, mit leeren Akkus und in der schwereren Gewichtsklasse, ist aber unbestritten ein schöner Erfolg! Fair zeigte sich Stifi auch gleich nach dem Kampf: „ Ich gratuliere Thomas. Er war heute einfach besser in Form.“


Rang 8 an der U23-Europameisterschaft -25.03.2015-

 

Am 24. März fand im polnischen Walbrzych zum ersten Mal die Europameisterschaft der unter 23-Jährigen statt. Für Stifi DIE Gelegenheit, den Formstand mit den Besten seiner Alterskategorie zu messen. Insgeheim wurde natürlich auch auf eine Medaille gelinst. Und es ging gut los: In der ersten Runde wartete mit dem Österreicher Niklas Dravits ein erster Gradmesser. Doch Stifi entledigte sich dieser Aufgabe in souveräner Manier und gewann das Duell vorzeitig durch technische Überlegenheit (10:0).

 

Im ¼-Final stand der junge Grosswanger dann dem Bulgaren Ismail Engin gegenüber. In diesem spannenden Kräftemessen wechselte die Führung hin und her. Sekunden vor Schluss landete Engin den Lucky Punch zum 5:6 und schlug Stifi so die Tür zum Halbfinale wortwörtlich vor der Nase zu. Da der Bulgare seinerseits im Halbfinale scheiterte, blieb für Stifi nicht mal mehr die Hoffnungsrunde und das Turnier war zu Ende.

 

Der resultierende 8. Rang ist zwar sicher weiterer Achtungserfolg. Da aber die Chance auf eine noch bessere Platzierung nur denkbar knapp verpasst wurde, schwingt doch eine leise Enttäuschung mit. Es gilt jetzt aber, den Blick vorwärts zu richten und konsequent weiter zu arbeiten. Schon Mitte Juni finden in Baku die European Games statt; für Stifi die nächste Möglichkeit sich international zu profilieren. Nach der ersten Enttäuschung richtete dieser in Polen den Fokus auch bereits wieder nach vorne: „Ich habe gesehen, dass ich gegen jeden Gegner Punkten kann. Wenn alles aufgeht, liegt die Medaille drin!“

U23-EM Vorbereitungstrainingslager in Schifferstadt (DE) -14.03.2015-

 

Nach zwei intensiven Trainingswochen auf Kuba ging es – begleitet von sechs weiteren Nationalkader-Athleten und Nationaltrainer Ludwig Küng – bereits wieder weiter ins süddeutsche Schifferstadt. Im Trainingslager mit der deutschen Nationalmannschaft wurde der Fokus in zwei täglichen Einheiten vor allem auf Kampfsituationen gelegt.

Durch die vielen harten Duelle in den fünf Trainingstagen ist Stifi nun definitiv bereit für die U23-EM in Polen. In den Tagen die bis dahin noch bleiben, soll nun noch etwas an der Schnelligkeit geschliffen werden. Und natürlich darf die Regeneration nicht zu kurz kommen. So wird Stifi dann voller Elan am ersten Höhepunkt in diesem Jahr angreifen können.